Denkt das Gehirn oder denkt vielmehr der Mensch mit seinem Gehirn? Und setzt sich damit immer zu sich und zu seiner Umwelt in Beziehung?

Auf der Suche nach der Freiheit ist der Landesbeauftragte Dr. Stefan Brink zu Gast beim Heidelberger Psychiater und Philosophen Thomas Fuchs. Thomas Fuchs untersucht in seiner 2020 erschienenen Streitschrift „Verteidigung des Menschen: Grundfragen einer verkörperten Anthropologie“ die landläufigen theoretischen und philosophischen Grundannahmen in der Debatte um „Künstliche Intelligenz“ kritisch und findet im Begriff der „Beziehung“ einen Ansatz, wie menschliches Denken, Fühlen und Verhalten sehr grundsätzlich von den Ideen zu unterscheiden sind, die wir uns von lernenden Maschinen entwerfen.

Im Gespräch mit LfDI Dr. Stefan Brink wendet sich Prof. Thomas Fuchs gegen eine funktionale Beschreibung des Menschen, erklärt, warum Künstliche Intelligenz – wenn überhaupt – „strohdumm“ ist, der Mensch sicher „kein zusammengesetzter Pixelhaufen“, sondern auf menschliche Beziehungen angewiesen – und soziale Medien und Chatbots diese nicht ersetzen können und dürfen. Fuchs sagt weiter: „Zentrale Grundlage für Bewusstsein ist Lebendigkeit“, und: Freiheit ist als „verkörperte“ Freiheit zu verstehen.

B. sucht Freiheit, Folge 10: „Verkörperte Freiheit“
Dauer: 1:11 Min.

0:47: Vorstellung und Einführung
3:56: Lokalisierung der Freiheit
6:50: Bewusstsein braucht Lebendigkeit
11:04: Digitalisierte Lebenswelt und funktionalistisches Denken
24:56: Unterstützung durch Digitalisierung und Anpassungsfähigkeit des Menschen
33:00: Social Media, Druck auf junge Menschen und Medienbildung
45:06: Rolle der Datenschützer
52:12: Gesundheitsdaten, perfekte Technik, nicht perfekte Menschen
1:00:46: KI, Kontrolle durch den Menschen und optimistischer Ausblick

 

Über Thomas Fuchs
Prof. Dr. Dr., geboren 1958 in München, ist Leiter der Sektion „Phänomenologische Psychopathologie und Psychotherapie“ in der Klinik für Allgemeine Psychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg und Karl-Jaspers-Professor für Philosophische Grundlagen der Psychiatrie und Psychotherapie, Forschungsstellenleiter der Karl-Jaspers-Gesamtausgabe der Heidelberger Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phänomenologische Anthropologie, Psychiatrie und Psychotherapie (DGAP). Er studierte Medizin, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte, promovierte in Medizin und Philosophie, ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und hat sich sowohl in den Fächern Psychiatrie als auch Philosophie habilitiert. Auch in seinen zahlreichen Veröffentlichungen arbeitet Thomas Fuchs seit seiner Dissertation „Leib, Raum, Person. Entwurf einer phänomenologischen Anthropologie“ und  der 2008 erschienenen Untersuchung „Das Gehirn – ein Beziehungsorgan“ an der Schnittstelle von medizinischen und phänomenologischen Fragen. Bei Suhrkamp erschien 2020 seine vielbeachtete Streitschrift „Verteidigung des Menschen: Grundfragen einer verkörperten Anthropologie“.

Über B. sucht Freiheit
In seiner Videoreihe „B. sucht Freiheit“ trifft der Landesbeauftragte Stefan Brink regelmäßig Persönlichkeiten, die sich intensiv und nachdrücklich mit Fragen des Datenschutzes und der Informationsfreiheit auseinandergesetzt haben. Dabei geht es immer um Freiheit – die Freiheit, Daten zu schützen, und die Freiheit, Daten zu nützen.

Das Gespräch wurde im September 2022 aufgezeichnet.

 

 

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